IP-Cams

Überwachungskameras für Haus und Büro – technisch sauber, lokal gespeichert und rechtlich auf der sicheren Seite.

Auswahl & Platzierung

Für Einfahrt und Haustür reichen meist 4 MP (2560×1440); 8 MP (4K) lohnt nur, wenn Details wie Kennzeichen erkannt werden sollen. Wichtiger als die Pixelzahl sind ein guter Bildsensor, WDR gegen Gegenlicht und eine brauchbare Nachtsicht (Infrarot oder Farbnachtsicht mit Restlicht).

PoE vs. WLAN

PoE (Power over Ethernet) liefert Strom und Daten über ein einziges Netzwerkkabel. Das ist die stabilste Lösung: keine Funkstörungen, kein Netzteil an der Wand, zentrale Stromversorgung über einen PoE-Switch oder NVR – auf Wunsch mit USV. Eine Kamera braucht meist unter 13 W (802.3af); bis 100 m Kabellänge sind möglich.

WLAN-Kameras sind schnell montiert, brauchen aber trotzdem Strom und belasten das Funknetz dauerhaft mit Video. Bei Außenwänden und schlechtem Empfang kommt es zu Aussetzern genau dann, wenn man die Aufnahme braucht. Akku-Kameras zeichnen meist nur bei Bewegung auf und hängen oft an einer Hersteller-Cloud.

Empfehlung: Wo ein Kabel verlegt werden kann, PoE. WLAN nur als Ausnahme für schwer erreichbare Stellen.

Aufnahme / NAS / NVR

Faustregel Speicher: Eine 4-MP-Kamera mit H.265 und Daueraufnahme braucht grob 20–40 GB pro Tag. Bewegungsaufnahme spart deutlich.

RTSP – den Kamerastream direkt abrufen

RTSP (Real Time Streaming Protocol) ist das Protokoll, über das NVR, NAS, VLC oder Home Assistant das Live-Bild einer Kamera holen – ohne Hersteller-App. Standard-Port ist TCP 554.

Typisches Adressmuster:

rtsp://benutzer:passwort@192.168.178.50:554/<pfad>

Der Pfad hängt vom Hersteller ab, Beispiele (je nach Modell/Firmware abweichend):

Tipp: Den Substream (niedrige Auflösung) für Live-Ansicht und Bewegungserkennung nutzen, den Hauptstream für die Aufnahme. Testen geht schnell mit VLC → „Netzwerkstream öffnen“.

Sicherheit:

ONVIF – Kameras verschiedener Hersteller kombinieren

ONVIF (Open Network Video Interface Forum) ist ein offener Industriestandard. Er sorgt dafür, dass eine Kamera von Hersteller A an einem Rekorder oder einer Software von Hersteller B funktioniert: automatische Erkennung im Netz, Abfrage der Stream-Adressen, Schwenken/Zoomen (PTZ) und Ereignisse wie Bewegung.

Wichtige Profile:

Beim Kauf auf „ONVIF conformant“ mit genanntem Profil achten (prüfbar in der Produktliste auf onvif.org). „ONVIF-kompatibel“ ohne Profilangabe heißt oft: nur Grundfunktionen. Herstellerspezifische Funktionen wie KI-Erkennung laufen über ONVIF häufig nur eingeschränkt.

Sicherheit: ONVIF-Zugang mit eigenem Konto und starkem Passwort, Zeit per NTP synchron halten (ONVIF-Anmeldung prüft die Uhrzeit), WS-Discovery nach der Einrichtung abschalten.

Datenschutz & Absicherung

Technisch: Firmware aktuell halten, UPnP und P2P-Cloud-Dienste abschalten, wenn nicht gebraucht, Kameras im Router-/Firewall-Regelwerk vom Internet trennen und nur der Rekorder darf auf sie zugreifen.

Hinweis: Keine Rechtsberatung – im Zweifel Fachanwalt oder Datenschutzbeauftragten fragen.