IP-Cams
Überwachungskameras für Haus und Büro – technisch sauber, lokal gespeichert und rechtlich auf der sicheren Seite.
Auswahl & Platzierung
Für Einfahrt und Haustür reichen meist 4 MP (2560×1440); 8 MP (4K) lohnt nur, wenn Details wie Kennzeichen erkannt werden sollen. Wichtiger als die Pixelzahl sind ein guter Bildsensor, WDR gegen Gegenlicht und eine brauchbare Nachtsicht (Infrarot oder Farbnachtsicht mit Restlicht).
- Bauform: Dome (unauffällig, vandalismusgeschützt), Bullet (große Reichweite), Turret (wenig IR-Reflexion), PTZ (schwenkbar, teurer).
- Objektiv: 2,8 mm = weiter Winkel für Nahbereich, 4–6 mm = engerer Bildausschnitt mit mehr Detail auf Distanz.
- Außen: mindestens Schutzart IP66, Montagehöhe ca. 2,5–3 m, nicht direkt gegen Sonne oder Straßenlaterne.
- Codec: H.265 spart gegenüber H.264 etwa die Hälfte Speicher – sofern Rekorder und Software ihn unterstützen.
PoE vs. WLAN
PoE (Power over Ethernet) liefert Strom und Daten über ein einziges Netzwerkkabel. Das ist die stabilste Lösung: keine Funkstörungen, kein Netzteil an der Wand, zentrale Stromversorgung über einen PoE-Switch oder NVR – auf Wunsch mit USV. Eine Kamera braucht meist unter 13 W (802.3af); bis 100 m Kabellänge sind möglich.
WLAN-Kameras sind schnell montiert, brauchen aber trotzdem Strom und belasten das Funknetz dauerhaft mit Video. Bei Außenwänden und schlechtem Empfang kommt es zu Aussetzern genau dann, wenn man die Aufnahme braucht. Akku-Kameras zeichnen meist nur bei Bewegung auf und hängen oft an einer Hersteller-Cloud.
Empfehlung: Wo ein Kabel verlegt werden kann, PoE. WLAN nur als Ausnahme für schwer erreichbare Stellen.
Aufnahme / NAS / NVR
- microSD in der Kamera: einfach, aber weg, wenn die Kamera gestohlen wird.
- NVR (Network Video Recorder): eigenständiger Rekorder, oft mit integriertem PoE-Switch – ideal für 4–16 Kameras.
- NAS mit Videosoftware (z. B. Synology Surveillance Station, QNAP QVR): nutzt vorhandene Hardware; Lizenzen pro Kamera beachten. Festplatten für Dauerbetrieb (Surveillance-/NAS-Platten) verwenden.
- Homeserver mit Open-Source wie Frigate, Blue Iris oder Shinobi – flexibel, mit Objekterkennung, holt die Streams per RTSP.
- Cloud: bequem, aber laufende Kosten und Videos verlassen das Haus.
Faustregel Speicher: Eine 4-MP-Kamera mit H.265 und Daueraufnahme braucht grob 20–40 GB pro Tag. Bewegungsaufnahme spart deutlich.
RTSP – den Kamerastream direkt abrufen
RTSP (Real Time Streaming Protocol) ist das Protokoll, über das NVR, NAS, VLC oder Home Assistant das Live-Bild einer Kamera holen – ohne Hersteller-App. Standard-Port ist TCP 554.
Typisches Adressmuster:
rtsp://benutzer:passwort@192.168.178.50:554/<pfad>
Der Pfad hängt vom Hersteller ab, Beispiele (je nach Modell/Firmware abweichend):
- Hikvision:
/Streaming/Channels/101(Hauptstream),/102(Substream) - Dahua / Amcrest:
/cam/realmonitor?channel=1&subtype=0 - Reolink:
/h264Preview_01_mainbzw./h264Preview_01_sub
Tipp: Den Substream (niedrige Auflösung) für Live-Ansicht und Bewegungserkennung nutzen, den Hauptstream für die Aufnahme. Testen geht schnell mit VLC → „Netzwerkstream öffnen“.
Sicherheit:
- RTSP ist meist unverschlüsselt – Port 554 nie per Portfreigabe ins Internet öffnen.
- Standardpasswort ändern, eigenen Benutzer nur mit Leserecht für den Stream anlegen.
- Kameras in ein eigenes VLAN ohne Internetzugang; Fernzugriff nur per VPN.
- Wenn verfügbar RTSPS (RTSP über TLS, oft Port 322) bevorzugen.
ONVIF – Kameras verschiedener Hersteller kombinieren
ONVIF (Open Network Video Interface Forum) ist ein offener Industriestandard. Er sorgt dafür, dass eine Kamera von Hersteller A an einem Rekorder oder einer Software von Hersteller B funktioniert: automatische Erkennung im Netz, Abfrage der Stream-Adressen, Schwenken/Zoomen (PTZ) und Ereignisse wie Bewegung.
Wichtige Profile:
- Profil S – Live-Video, Audio, einfache PTZ-Steuerung (Basis, fast überall).
- Profil T – moderne Codecs (H.265), Bewegungs- und Manipulationsereignisse, HTTPS.
- Profil G – Aufzeichnung und Wiedergabe vom Kameraspeicher.
- Profil M – Metadaten und Bildanalyse (z. B. Personen-/Fahrzeugerkennung).
Beim Kauf auf „ONVIF conformant“ mit genanntem Profil achten (prüfbar in der Produktliste auf onvif.org). „ONVIF-kompatibel“ ohne Profilangabe heißt oft: nur Grundfunktionen. Herstellerspezifische Funktionen wie KI-Erkennung laufen über ONVIF häufig nur eingeschränkt.
Sicherheit: ONVIF-Zugang mit eigenem Konto und starkem Passwort, Zeit per NTP synchron halten (ONVIF-Anmeldung prüft die Uhrzeit), WS-Discovery nach der Einrichtung abschalten.
Datenschutz & Absicherung
- Nur eigenes Grundstück filmen. Öffentlicher Gehweg, Straße und Nachbargrundstück sind tabu – Bildausschnitt anpassen oder Privatzonen (Maskierung) setzen.
- Gemeinschaftsflächen (Treppenhaus, Hof) nur mit Zustimmung aller Betroffenen bzw. der Eigentümergemeinschaft.
- Im Betrieb (KMU) gelten DSGVO und § 26 BDSG: Hinweisschild, Zweck, Speicherdauer (meist max. 72 Stunden), ggf. Betriebsrat. Keine Überwachung von Pausen- oder Sanitärräumen.
- Audioaufzeichnung grundsätzlich deaktivieren.
Technisch: Firmware aktuell halten, UPnP und P2P-Cloud-Dienste abschalten, wenn nicht gebraucht, Kameras im Router-/Firewall-Regelwerk vom Internet trennen und nur der Rekorder darf auf sie zugreifen.
Hinweis: Keine Rechtsberatung – im Zweifel Fachanwalt oder Datenschutzbeauftragten fragen.